Schatten

Es ist die Wahl, jeder Zeit zu verschwinden, sich zu verstecken und den Drängen des Schwächeren nachzugeben, abzutauchen und das Vergangene ungeschehen, sich für das Vergangene ungesehen machen. Die Kunst der Verschleierung ist keine, die vieler Nötigkeiten bedarf, viel mehr ist es nur das Vernichten einer Existenz, die es so nie gegeben hat. Einer Existenz, die in der Zukunftsträchtigkeit weder Sinn noch Verstand erbracht haben wird, weder einen Weg noch eine Wirklichkeit. Die Menschen glauben immer, dass sie müssen, dass es keinen anderen Weg gibt. Aber da draußen ist die Welt und sie steht uns offen, wenn wir bereit sind, das loszulassen, was wir als unsere Schatten wahrnehmen. Sie sind immer da, aber wir müssen sie nicht beachten, wenn wir die Achtung uns gegenüber behalten wollen.

Zu lange schon gehen die Erinnerungen zurück in die verregneten Zeiten, in denen dieser Mensch das missbraucht hat, was sich als Existenz des Seins herausgestellt haben wird. Die Zukunft aus der Vergangenheit heraus beeinflussen, das ist, was wir Menschen heute tun. Das ist, was wir tun können, wo wir uns verorten sollen. Die Sorgen sind Teil der Zukunft, die im Verfall der Einzelnen widergespiegelt und in ihre Redundanz zurück geführt werden. Das Schicksal ist, was wir jetzt nicht beeinflussen können und nur durch unsere Ängste zu beeinflussen versuchen. Die Ewigkeit währt aber nicht in der Sorge der Zukunft.

Es gibt Menschen, die meinen, sie müssten sich moralisch über andere erheben. Sie hätten das Recht, alle Informationen zu sammeln und in ihrer Moral zu begründen. Sie fühlen sich richtig damit, ohne die Allgemeingültigkeit der Tatsachen verstanden zu haben. Die Vergangenheit ist wichtig, insofern, dass sie uns zu den Menschen macht, die wir geworden sind. Nur wer sich jenseits aller Moral sieht, kann sein Leben rechtschaffend begründen und den eigentlichen Irrsinn hinter der Irrationalität nicht verstehen. Anderen in ihr Leben sprechen, sie dafür verurteilen zu wollen, das ist noch eher jenseits aller Moral, die in den Dilemmata des Seins erwacht sind.

Es ist besser, die schlechten Dinge loszulassen. Die Schlüsse zuzulassen, die gezogen werden müssen. Es ist aber falsch, sich selbst dafür zu verurteilen, sich weiterhin unter dem wachen Auge derjenigen zu sehen, die ihre eigene Existenz nicht genug ertragen können und daher die Informationen über die anderen brauchen. Für mich persönlich ist das nichtig. Es interessiert mich nicht, ob Menschen aus meiner Vergangenheit noch immer nach meinem Leben trachten müssen, sich Informationen besorgen oder ob sie heuchlerisches Interesse bekunden. Mir ist nicht wichtig, wenn ich hinter mir gelassen habe. Die Schatten der Zeit haben mich so lange verfolgt, dass ich sie nunmehr nicht mehr über mich bestimmen lasse. Ich akzeptiere, dass sie da sind und wende mich den wichtigen Dingen zu: Meiner eigenen Zukunftsfähigkeit, die nicht nach dem Leben oder der Moral der anderen trachtet.

Die wahre Stärke steckt im Bewusstsein über die eigenen Schwächen, nicht in der Arroganz über die Schwächen der Anderen. Die eigene Handlungsmacht ist wegbereitender Wegbegleiter. Jeder sollte sie zu schätzen wissen, denn: die Macht liegt im eigenen und nicht im fremden Gewissen.