Wer hätte gedacht

Es ist erstaunlich, wie es sich ergibt – Stille, leise Worte, geflüstert in einer einzelnen Nacht. Die Wahrheit verspricht nicht mehr zu sein als das, was hinter den Fassaden stet, hinter den Häusern wächst, hinter den Mauern Beachtung gefunden hat. Der Ruf des Einzelnen ist ein Ruf dessen, der sich in den Vordergrund zu drängen versucht, eine Krähe, die über die Erderhebungen springt. Es ist Irrwitz und Wahn in diesen ruhigen Stunden voller Sonnenschein. Die Veränderung, die stattfindet, ist schleichend, ist ruhelos in der Rastlosigkeit. Die Sonnenstrahlen erwärmen das Gemüt und die Dramaturgie hinter der Wahrheit, die so viele nicht haben wahrnehmen können.
Es sind die Kleinigkeiten und werden immer auch die Kleinigkeiten gewesen sein. Es ist das, was wir Menschen im Wahn der Gefühle nicht wahrhaben wollen. Es ist die Ehrlichkeit derer, die es schaffen, einen Weg zu finden, der nicht nur Flucht, nicht nur das Ende einer Lebenslinie bedeutet. Es ist nicht, was wir zu sehen wagten, während wir uns den Träumen hingaben. Diese Träume sind fern und so nah, wie wir sie selbst sehen, wie wir sie selbst sie zuordnen möchten. Die Realität ist Irrsinn in all ihren Möglichkeiten.

Es gibt Dinge, die sich erörtern ließen. Die sich – in Anbetracht der Umstände – betrachten ließen. Stet ist nur, dass die Zeit vorbei geht, dass sie vorüber geht und die Unendlichkeit, so scheint es, näher rückt, je mächtiger der Menschen sich in eigenem Gebahren übt. Es ist ein Kampf gegen die Zeit. Das Leben. So, wie es eben ist, ist es Furcht und Flucht und Angst und manchmal ist es auch Müdigkeit und Trauer und Unverständnis über die Dinge, die da wohl passieren können, die da wohl auch irgendwo passieren. Manches beeinflussen wir, manches direkt, manches auf einem anderen Weg. Wir treffen Entscheidungen bis sie wieder hinfällig sind – Kontrolle – am Ende möchte es einem Niemanden angesehen haben, dass es so weit hat kommen können, dass es so hat passieren sollen.
Ich fühle mich in einem Traum als hätte ich mein ganzes Bachelorstudium verschlafen und bin aus dem Traum in den Master gerissen worden. Als wären Monate, Jahre vergangen. Ich fühle mich in einer neuen Welt, die ich nicht verstehe, fühle mich verloren in der Digitalisierung, allein gelassen mit meinen Dämonen. Und doch geht es mir gut, weil ich mich erkannt habe im Rausch der Zeit der Wirklichkeiten. Ich habe nichts verstanden und verstehe auch immer noch nicht, weil ich blind geworden bin über die letzten Jahre, in denen die Menschen aneinander vorbei gelaufen sind. Für die Genügsamkeit braucht es nicht, was alle beschwören, sondern die Ruhe in sich für sich selbst, in einem Rahmen, der das Leben so möglich macht wie es eben möglich sein kann.

Die Bestrafung des Einzelnen liegt im Klang der Zeit. Die Haut, die sich müde über die Muskeln spannt, die Erregung in den Gesichtern und Gliedern. Es nutzt nichts, den anderen und ihrer Fehlerlosigkeit hinterherzujagen, schlicht weil diese nicht existiert und vieles, was an der Existenz liegt nur den Zweifel schüren kann. Es ist nicht unwichtig, miteinander zu sein, aber es ist irrwitzig, den anderen Gefallen zu wollen. Es ist die Macht in jedem Einzelnen, sich nicht für die Anderen in den eigenen Entscheidungen zu interessieren. Es geht darum, sich nicht beirren zu lassen, weil auch die Inkompetenz in Person noch Lehrer geworden ist – Das System ist mindestens genauso fehlerhaft wie der Narzismuss des Einzelnen, und auch die Lust am Projekt und an der Forschung kann demjenigen, der es nicht erreichen wollte, gleichgültig sein. Jeder Mensch hat seine Schattenseiten und dunklen Stunden. Der, der böses will, wird auch über seine eigenen Schatten fallen, ebenso wie Jener, der glaubt, dass alles gut ist, was wandelt, und alles retten möchte. Manchmal gibt es nichts zu retten und manchmal ist es die dunkelste Gestalt, die die hellste Sehnsucht in die Wirklichkeit bringen kann.

Die Sinnlosigkeit wächst in den Ruhelosen. Der Tag wird zum Zeitpunkt der Sehnsüchtigen, der hellen, klangvollen Gedichte der summenden Wörter in einer seltsamen Zeit. Es sind lautlose, schwebende Füße im Kampf um das Ballett der Sehenden. Gewinn ist, wo Glück als solches nicht zur Selbstbeherrschung verkommt, die Wahrheit sich in den tiefen Wurzeln der Stunden festgegraben hat und den Lebensweg gestaltet.

6 Kommentare zu „Wer hätte gedacht

      1. Ich lese es mir schon zum dritten Mal durch, weil die Zeilen mir immer wieder neue Bilder in den Kopf setzen. Immer wieder neue Gegenüberstellungen und Wahrheiten und traurige Tatsachen.

        Gefällt 2 Personen

  1. Deine Seele ist so reich, liebe sheshebens! So viele Deiner Sätze, die Du da oben geschrieben hast, sind, für sich genommen, ein Aphorismus.

    Ich lese einen davon und kann und will mich nicht wehren, meine Gedanken fliegen, ich sehe Bilder und ich FÜHLE. Und, was gut und wichtig dabei für mich ist: ich fühle mich dabei nicht allein. Weil DU diese Sätze geschrieben hast und ich Deine Art die Welt zu sehen, so sehr schätzen gelernt habe. Und obendrein immer besser zu verstehen beginne, dass Du dabei und darin zu Dir gefunden hast, eine Erdung erreicht hast, die ich mir für mich auch sehr wünsche.

    Ich weiß nicht, ob jene Erdung bei Dir dazu geführt hat, dass Du ungeachtet all dessen, was zweifellos in Dir brodelt, was an sich Ruhelosigkeit bedingt, Ängst auslöst oder verstärkt, mit Dir selbst ein wenig gelassener zu sein. Ich glaube das aus Deinen Worten gelesen haben, mit denen Du sagst, dass es braucht, „die Ruhe in sich für sich selbst, in einem Rahmen, der das Leben so möglich macht wie es eben möglich sein kann.“

    Wenn es so ist, wüsste ich zu gern, wie Dir das gelungen ist oder wie es Dir wenigstens Phasenweise zu gelingen scheint (denn manchmal schreibst Du ja doch auch davon, dass Dir Ängste sehr zu schaffen machen.).

    Nun werde ich Deinen Text da oben noch so manches Mal lesen – Dein Refugium hier, ist für mich so ein schöner Ort, weißt Du?

    Dankeschön, dass Du da bist!

    Viele, von Herzen liebe Grüße an Dich, liebe sheshebens!

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Sternflüsterer,

      danke Dir für diese liebe und tolle Antwort auf meine Gedanken. Ich weiß nicht, ob ich diese Erdung tatsächlich gefunden habe. Sie ist wenn eher etwas, was in meinem Unterbewusstsein existiert, auf das ich aber auch nicht immer Zugriff habe. Ebenso wenig auf die Worte, die auch immer nur aus meinem Unterbewusstsein entstehen.
      Ich habe aber dennoch in den letzten Wochen und Monaten durch zahlreiche weitere Erkrankungen gespürt, dass ich mir diese Ruhe eben auch geben muss, weil ich so, wie es ist, nicht weitermachen kann. Und es ist, dass äußere Einflüsse mich dazu zwingen, mit mir selbst zu sein, wenn ich nicht später voller Groll und Hohn sein möchte. Aber immer habe ich da auch nicht Zugriff zu-

      Danke, dass Du mich immer wieder liest!

      Liebe Grüße
      Sheshebens

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